Controlling-Präsentationen, die wirken – Teil 1

    Veröffentlicht: 18. Februar 2026

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    Serie: Controlling-Präsentationen, die wirken – Teil 1 von 3

     

    Die Pyramide der Relevanz: Welche Zahlen Entscheider wirklich brauchen

    Sie kennen das vielleicht: Eine Präsentation voller Kennzahlen, viel Analyse – und am Ende bleibt die Frage: Was bedeutet das konkret für die nächsten Entscheidungen?

    In vielen Unternehmen stehen heute sehr viele Kennzahlen zur Verfügung – oft mehr, als in einer Präsentation sinnvoll verarbeitet werden kann. Die Herausforderung liegt daher weniger in der Datenqualität als in der Auswahl und Verdichtung der entscheidungsrelevanten Informationen. Denn Klarheit entsteht nicht durch mehr Zahlen, sondern durch die richtigen.

    Hier stellen wir fünf Ansätze vor, die helfen, Informationen sinnvoll zu priorisieren, verständlich zu verdichten und Entscheidungsrelevanz herzustellen:

    1. Cognitive Load Theory: Warum mehr Daten nicht mehr Klarheit schaffen
    2. Das „So What?“-Prinzip: Von Daten zu Entscheidungen
    3. Die 3-Ebenen-Logik: Struktur für relevante Informationsarchitektur
    4. Die „One Number“-Technik: Eine Kennzahl, die die Geschichte erzählt
    5. Kontext schlägt Präzision: Die Macht der Relation

    1. Cognitive Load Theory: Warum mehr Daten nicht mehr Klarheit schaffen

    Der australische Kognitionspsychologe John Sweller hat in den 1980er Jahren die Cognitive Load Theory entwickelt – eine Theorie, die erklärt, warum selbst intelligente Menschen vor zu vielen Informationen kapitulieren (Sweller, 1988; Sweller et al., 1998).

    Die Kernaussage: Unser Arbeitsgedächtnis kann nur eine begrenzte Anzahl von Informationselementen gleichzeitig verarbeiten – etwa 4 bis 7 Elemente (Cowan, 2001). Wenn Sie Ihrem Vorstand 40 KPIs präsentieren,fordern Sie von seinem Gehirn etwas, das neurobiologisch unmöglich ist.

    Die Folge: Statt Ihre sorgfältig aufbereiteten Kennzahlen zu verarbeiten, schaltet das Gehirn Ihres Gegenübers in den Überlebensmodus. Es sucht nach Mustern, ignoriert Details und verlässt sich auf Faustregeln. Ihre Präsentation wird zum Rauschen.

    Sweller unterscheidet dabei zwischen drei Arten kognitiver Belastung:

    • Intrinsic Load: Die inhärente Komplexität des Themas (z.B. Varianzanalyse vs. einfacher Umsatzvergleich)
    • Extraneous Load: Unnötige Belastung durch schlechte Aufbereitung (darauf kommen wir in Teil 3 zurück)
    • Germane Load: Die produktive mentale Arbeit, die zum Verständnis führt

    Ihr Ziel als Controller: Den Extraneous Load minimieren und mehr Kapazität für Germane Load schaffen – also für das echte Verständnis der Geschäftssituation.

     

    2. Das "So What?"-Prinzip: Von Daten zu Entscheidungen

    Die zentrale Frage bei jeder Kennzahl lautet: "So what?" – Und was bedeutet das?

     

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    Viele Präsentationen enthalten Daten.

    „Der Umsatz im Q3 lag bei 12,4 Mio. €"

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    Gute Präsentationen enthalten Erkenntnisse.

    „Der Umsatz ist um 8% gesunken."

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    Exzellente Präsentationen enthalten handlungsrelevante Schlussfolgerungen.

    „Ohne Gegenmaßnahmen verfehlen wir unser Jahresziel um voraussichtlich 2,1 Mio. €, "

    Die dritte Variante triggert eine Reaktion. Sie kommuniziert nicht nur eine Zahl, sondern deren Implikation für das Geschäft.

     

    3. Die 3-Ebenen-Logik: Struktur für relevante Informationsarchitektur

    Orientieren Sie sich an der natürlichen Fragenlogik von Entscheidern:

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    Ebene 1: Strategic KPIs – Wo stehen wir?

    Dies sind die 3-5 Kennzahlen, die den Geschäftserfolg definieren. Sie beantworten die Frage: "Erreichen wir unsere Ziele?"

    Beispiele:

    • EBITDA-Marge zum Plan
    • Free Cash Flow YTD
    • Return on Invested Capital (ROIC)
    • Marktanteilsentwicklung
    • Net Promoter Score (bei kundenorientierten Geschäftsmodellen)

    Wichtig: Diese Kennzahlen müssen auf einen Blick zeigen, ob die Ampel auf Grün, Gelb oder Rot steht.

    Ebene 2: Diagnostic Metrics – Warum ist das so?

    Erst wenn Ebene 1 ein Problem zeigt, steigen Sie in die zweite Ebene ein. Diese Kennzahlen erklären Ursachen und Zusammenhänge.

    Beispiel: Die EBITDA-Marge ist von 14% auf 11%gefallen.

    Diagnostic Metrics:

    • Bruttomargenentwicklung nach Produktgruppen
    • Fixkostenbasis im Vergleich zum Vorjahr
    • Preisentwicklung vs. Volumenseffekte
    • Operative Hebel (z.B. Lagerumschlag, Produktivität)

    Das Prinzip: Bauen Sie eine klare Ursachenkette auf. Wenn die Bruttomarge stabil ist, die EBITDA-Marge aber sinkt, liegt das Problem in den Fixkosten. Ihre DiagnosticMetrics müssen diese Diagnose beweisen.

    Ebene 3: Operational Details – Was tun wir?

    Erst auf der dritten Ebene landen Sie bei operativen Details und konkreten Maßnahmen. Hier dürfen Sie auch granular werden aber nur, wenn es eine klare Verbindung zu Ebene 1 gibt.

    Beispiel: Fixkosten steigen durch IT-Projekt-Overruns.

    Operational Details:

    • Liste der IT-Projekte mit Budget vs. Ist
    • Ressourcenallokation nach Projekten
    • Priorisierungsmatrix für anstehende Entscheidungen

    Der Entscheider-Filter: Nicht jede Zahl gehört in jede Präsentation

    Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist zu wissen, was Sie weglassen. Orientieren Sie sich an der Hierarchieebene Ihrer Zielgruppe.

    Welche Ebenen sind für welche Zielgruppe relevant?
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    Vorstand & Geschäftsführung

    • Fokus auf Ebene 1 (Strategic KPIs)
    • Ebene 2 nur bei Abweichungen
    • Ebene 3 nur auf explizite Nachfrage oder bei kritischen Themen

    Bereichsleitung

    • Balance zwischen Ebene 1 und 2
    • Ebene 3 für Themen in ihrem Verantwortungsbereich

    Abteilungsleitung & Operatives Management

    • Schwerpunkt auf Ebene 2 und 3
    • Ebene 1 als Kontext

    Viele Controller bringen große fachliche Tiefe mit. Entscheidend für das Top-Management ist jedoch häufig die Fähigkeit, diese Komplexität auf die wesentlichen Entscheidungsinformationen zu verdichten – klar, präzise und zugleich fundiert.
    Kompetenz zeigt sich darin, Komplexität zu reduzieren, ohne zu simplifizieren.

     

    Exemplarisches Praxisbeispiel: Von 40 zu 5 KPIs

    Ausgangssituation: Ein mittelständischer Maschinenbauer präsentiert monatlich 40 KPIs auf einem vierseitigen Dashboard. Die Geschäftsführung scannt es, stellt Detailfragen, aber strategische Entscheidungen werden nicht getroffen.

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    Ebene 1: Strategic KPIs (neu: 5 statt 40)

    1. Auftragseingang vs. Plan (Leading Indicator)
    2. EBITDA-Marge (Profitabilität)
    3. Free Cash Flow (Liquidität)
    4. Liefertreue (Kundenzufriedenheit)
    5. Buchpreis-zu-Marktpreis-Ratio (Wettbewerbsfähigkeit)

    Ebene 2: Diagnostic Metrics (nur bei Rot/Gelb auf Ebene 1)

    • Auftragseingangsanalyse nach Regionen und Produktgruppen
    • Margenbrücke (Volumen, Preis, Mix, Kosten)
    • Cash-Conversion-Cycle-Analyse
    • Kundenbeschwerden und Reklamationsquote

    Ebene 3: Operational Details (nur auf Nachfrage)

    • Projektpipeline mit Wahrscheinlichkeiten
    • Kostenstellenanalyse
    • Working-Capital-Details nach Positionen

    Ergebnis: Die Geschäftsführung bekommt monatlich eine Seite mit den 5 Strategic KPIs – jeweils mit Ampelstatus, Entwicklung und einem Einzeiler zur Interpretation. Bei kritischen Abweichungen folgen 2-3 Seiten mit Diagnostic Metrics. Die restlichen 35 KPIs existieren weiterhin –aber nur noch als Backup für Deep-Dive-Anfragen.

    Die Wirkung: Diskussionen werden strategischer. Statt über Einzelpositionen zu debattieren, spricht die Geschäftsführung über Prioritäten und Ressourcenallokation. Die Controlling-Arbeit wird sichtbarer, weil sie sich auf das Wesentliche fokussierte.

     

    4. Die "One Number-Technik": Eine Zahl, die die Geschichte erzählt

    Manchmal ist weniger mehr. Besonders bei komplexem Sachverhalten kann es sinnvoll sein, mehrere Kennzahlen in eine aussagekräftige Metrik zu verdichten.

    Statt: Umsatz: +5%, Kosten: +8%, Marge: -2%-Punkte

    Besser: ROI der Wachstumsinvestition, -15 % (Die 2 Mio. € Zusatzinvestitionen haben nur 1,7 Mio. € Zusatzertrag generiert)

    Die One-Number-Technik funktioniert besonders gut bei: Investitionsentscheidungen (ROI, NPV, Payback), Strategischen Initiativen (Zielerreichungsgrad), Vergleichsszenarien (Business Cases)

    Achtung: Die One-Number darf nicht manipulativ wirken. Sie muss ehrlich, nachvollziehbar und bei Bedarf auf ihre Bestandteile heruntergebrochen werden können.

    5. Kontext schlägt Präzision: Die Macht der Relation

    Zahlen ohne Kontext sind bedeutungslos. Das menschliche Gehirn denkt nicht in absoluten Größen, sondern in Relationen und Vergleichen.

    Welche Aussage ist stärker?

    A) „Wir haben 2.347.891 € Umsatz gemacht"

    B) „Wir haben 15 % über Plan geliefert"

    Antwort B – eindeutig. Warum?

    • Sie vermeidet Scheingenauigkeit (die letzten drei Nachkommastellen sind Rauschen)
    • Sie liefert einen Referenzpunkt (Plan)
    • Sie beantwortet implizit die Frage "Ist das gut oder schlecht?"

    Die wichtigsten Kontextualisierungen
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    Zeitlicher Vergleich

    • vs. Vorperiode (MoM, YoY)
    • vs. rollierender Durchschnitt (glättet Saisonalität)
    • Trend über mehrere Perioden

    Normativer Vergleich

    • vs. Plan/Budget
    • vs. Forecast
    • vs. strategisches Ziel

    Externer Vergleich

    • vs. Markt/Wettbewerb
    • vs. Benchmark
    • vs. Best Practice

    Relationale Darstellung

    • In Prozent statt absolut
    • Pro Einheit (pro Kunde, pro Mitarbeiter, pro m²)
    • Als Index (Basisjahr = 100)

     

    Wie werden Controlling-Präsentationen wirklich entscheidungsrelevant?

    Dieser kompakte Leitfaden fasst das Wichtigste aus diesem Beitrag für Sie zusammen, inklusive Checkliste, Framework und praktischen Impulsen für überzeugende Finance-Kommunikation.

     

    Im nächsten Teil dieser Serie zeigen wir Ihnen, wie Sie diese Kennzahlen in eine überzeugende Dramaturgie einbetten, mit neurologisch fundiertem Storytelling und der richtigen Struktur für maximale Wirkung.